DEENENTWURF · Vorschlag für Metzgerei Mustermann, unverbindlich, keine Bestellung möglich. Gebaut von Thomas Eichinger · peaksites.de. © Thomas Eichinger · Impressum des Erstellers
Startseite › Handwerk
Handwerk seit 1954

Drei Generationen, ein Rezeptbuch.

Warum wir immer noch selbst zerlegen, wieso Rohwurst sechs Wochen braucht und was in unserer Wurst nicht drin ist. Wer es genau wissen will, findet hier die Antworten.

Der Chef

Ich bin Sepp. Ich stehe seit 31 Jahren in dieser Metzgerei.

Mein Vater hat mir beigebracht, dass man an einem Stück Fleisch sieht, wie das Tier gelebt hat. Deshalb kaufe ich nicht auf dem Großmarkt, sondern bei vier Bauern, deren Höfe ich kenne.

Wenn Sie mich fragen, wo Ihr Schnitzel herkommt, sage ich Ihnen den Namen des Hofs. Das können nicht viele.

Und wenn etwas nicht passt, bringen Sie es zurück. Ich stehe jeden Tag selbst hinter der Theke.

Sepp Mustermann
Rindfleisch wird auf dem Hackstock zerlegt
Geschichte

Seit 1954 im selben Haus

Angefangen hat es mein Großvater, im Jahr 1954, mit einem Verkaufsraum von zwölf Quadratmetern und einer Kühlung, die man von Hand mit Eisblöcken beschickt hat. Er hat vormittags geschlachtet und nachmittags mit dem Radl ausgefahren. Das Haus in der Musterstraße gehört seitdem der Familie, umgebaut wurde es dreimal.

1978 hat mein Vater übernommen. In seiner Zeit kamen die Wursttheke in der heutigen Größe, die erste richtige Kühlzelle und der Partyservice dazu. Er hat auch angefangen, die Höfe im Tal einzeln abzufahren, statt beim Zwischenhändler zu kaufen. Damals hat man ihn dafür für verrückt erklärt, weil es teurer war.

Ich bin 1995 in den Betrieb eingestiegen, nach der Lehre auswärts. 1999 kam die Meisterprüfung, 2003 die Übernahme. Geändert haben sich seitdem die Reifekammer, der Mittagstisch, und dass wir heute schreiben, was drin ist. Gleich geblieben sind die Rezepte und die Öffnungszeiten am Samstag.

Sechs Leute, kein Filialnetz

Wir sind zu sechst. Zwei in der Produktion, drei im Verkauf, dazu ein Lehrling, den wir seit Jahren wieder ausbilden. Eine zweite Filiale hatten wir nie, und wir planen auch keine. Wer wächst, muss irgendwann Ware zukaufen, und dann ist der Punkt erreicht, an dem man nicht mehr sagen kann, wo etwas herkommt.

Das ist keine Bescheidenheit, sondern eine bewusste Grenze. Ein Betrieb dieser Größe kann handwerklich arbeiten und trotzdem davon leben. Größer wird das schwierig.

Die Meisterprüfung

Warum der Brief an der Wand hängt

Der Meisterbrief im Fleischerhandwerk ist kein Wandschmuck. Er ist die Voraussetzung dafür, dass wir ausbilden dürfen, und er steckt in jedem Rezept.

Teil 1

Die Praxis

Ein ganzes Tier zerlegen, unter Zeitdruck und mit Bewertung jedes Schnitts. Dazu kommt ein Meisterstück. Bei mir war es eine Platte mit sieben eigenen Wurstsorten, alle in derselben Woche hergestellt.

Teil 2

Die Fachtheorie

Warenkunde, Mikrobiologie, Lebensmittelrecht und Technologie. Man lernt dort, warum Rohwurst überhaupt haltbar wird und was passiert, wenn man bei der Reifung schlampt.

Teil 3 und 4

Betrieb und Ausbildung

Kalkulation, Recht und Berufspädagogik. Der langweiligste Teil, und der, den man später am meisten braucht. Ohne den vierten Teil dürfte bei uns kein Lehrling stehen.

Der Meisterbrief hängt links neben der Kasse. Ausgestellt von der Handwerkskammer, im Jahr 1999.

Eigene Reifung

Zeit ist die teuerste Zutat

Reifung kostet Kühlraum, Strom und Kapital, das drei Wochen lang an der Wand hängt. Genau deshalb sparen sich viele Betriebe das. Man schmeckt den Unterschied aber sofort.

WasWie langeWarum
Rind am Knochen21 bis 28 TageDie körpereigenen Enzyme bauen Bindegewebe ab. Das Fleisch wird mürbe und bekommt einen nussigen Ton. Ohne diese Zeit wird jedes Steak zäh.
Schwein3 bis 5 TageKürzer als Rind, aber nicht null. Frisch geschlachtetes Schweinefleisch ist fest und verliert beim Braten viel Wasser.
Rohwurst, Salami4 bis 6 WochenIn der Reifekammer bei kontrollierter Feuchte. Die Wurst verliert etwa ein Drittel ihres Gewichts. Das erklärt auch den Kilopreis.
Kaminwurzen2 bis 3 WochenDünner als Salami, deshalb schneller fertig. Zwischendurch dreimal kalt geräuchert.
Bauernschinken5 bis 6 MonateErst gepökelt, dann kalt geräuchert, dann luftgetrocknet. Der längste Weg in unserem Haus.
Speck8 bis 12 WochenÜber Buchenholz geräuchert, danach abhängen lassen, bis er schnittfest ist.
Buchenholz, kein Raucharoma Geräuchert wird bei uns im gemauerten Kamin mit Buchenscheiten aus dem Wald hinter dem Ort. Es gibt Flüssigrauch, den man einfach in die Masse rührt. Das geht schneller, kostet fast nichts und ist erlaubt. Wir machen es trotzdem anders, weil der Unterschied im Geruch schon beim Öffnen der Tür da ist.
Zutaten

Was bei uns nicht in die Wurst kommt

Es ist einfach, eine Liste mit Dingen zu schreiben, die man weglässt. Interessanter ist, was man stattdessen tut und wo die Grenze liegt.

Wir verzichten auf

  • Geschmacksverstärker wie Glutamat. Gewürzt wird mit Salz, Pfeffer, Muskat, Majoran, Knoblauch und Kümmel
  • Phosphate als Wasserbinder. Deshalb wiegt unser Kochschinken nach dem Garen weniger, statt mehr
  • Separatorenfleisch und Formfleisch in jeder Form
  • Farbstoffe, auch nicht bei Leberwurst oder Presssack
  • Fertige Gewürzmischungen mit Trägerstoffen. Wir mischen selbst, das dauert länger und man weiß, was drin ist
  • Soja- und Milcheiweiß als Füllstoff

Und das ist ehrlicherweise drin

Nitritpökelsalz. In allem, was gepökelt ist. Schinken, Kassler, Geselchtes, die meisten Brühwürste. Ohne das Salz gäbe es keine Umrötung, keine typische Pökelnote und, viel wichtiger, keinen Schutz gegen Botulismus. Es gibt Betriebe, die damit werben, ohne auszukommen. Bei Rohwurst, die wochenlang hängt, halten wir das für ein Risiko, das wir nicht eingehen wollen.

Ascorbinsäure, also Vitamin C, in der Rohwurst. Sie steuert die Umrötung und verhindert, dass die Salami außen grau wird. Kein Zaubermittel, sondern Handwerk mit Rezept.

Starterkulturen bei Salami und Kaminwurzen. Das sind die gleichen Bakterien, die früher zufällig aus der Umgebungsluft kamen. Nur eben gezielt zugegeben, damit nicht die falschen zuerst da sind.

Alles davon steht auf dem Etikett. Fragen Sie an der Theke, wir zeigen Ihnen das Rezept. Wir haben nichts zu verstecken und halten nichts davon, mit Begriffen zu werben, die niemand nachprüfen kann.

Ablauf

Eine Woche in der Metzgerei

Damit Sie eine Vorstellung bekommen, warum bestimmte Sachen nur an bestimmten Tagen frisch sind.

TagIn der ProduktionIm Laden
MontagRuhetag im Verkauf, aber Reinigung, Bestellungen bei den Höfen, Wochenplan schreibenGeschlossen
DienstagSchlachtung Schwein ab 5 Uhr, danach Zerlegung und WurstherstellungFrische Kochwurst, Leberwurst und Blutwurst ab Mittag
MittwochWurst brühen, Rohwurst in die Reifekammer hängen, Räucherkammer anheizenGeräuchertes und Speck kommen neu in die Theke
DonnerstagSchlachtung Rind, Zerlegung, Fleisch für die Reifung einhängenFrisches Rindfleisch, Gulasch und Suppenfleisch
FreitagVorbereitung Wochenende, Marinieren, Grillsortiment, Partyservice-AufträgeVolle Theke, Grillfleisch ab Mittag
SamstagWeißwurst in der Früh, Leberkäs ab 8 Uhr, Auslieferung PartyserviceBis 12:30 Uhr, danach Abholung von Vorbestellungen
SonntagNichts. Das ist der einzige Tag, an dem die Kammern in Ruhe arbeitenGeschlossen

Deshalb ist Leberwurst am Dienstagnachmittag am besten und Rindfleisch am Donnerstag am frischesten. Wer es genau wissen will, fragt einfach.

Zuschauen erlaubt

Kommen Sie hinter die Theke.

Schulklassen, Vereine und alle, die es genauer wissen wollen, führen wir gern durch den Betrieb. Am besten am Mittwochnachmittag. Ein Anruf reicht, das kostet nichts.