Vier Hölzer, vier Charaktere
Die Holzwahl entscheidet über Optik, Preis und darüber, wie Ihr Möbel in zwanzig Jahren aussieht. Hier steht, was wir dazu aus der Werkstatt wissen. Ehrlich, auch wenn es gegen das teurere Holz spricht.
Womit wir am häufigsten bauen
Die Flächen unten sind echte Holzaufnahmen. Wie das Holz wirklich aussieht, sehen Sie am besten bei uns im Lager. Freitags von 13 bis 17 Uhr steht die Werkstatt offen.
Eiche
Hart, schwer, belastbar. Deutliche Maserung mit kräftigen Poren. Eiche verträgt Beulen, Wasserspritzer und Kinder. Wenn Sie sich nicht entscheiden können, ist Eiche selten falsch.
Eiche dunkelt in den ersten fünf Jahren spürbar nach und wird wärmer im Ton. Das gilt als schön, ist aber wichtig zu wissen, wenn Sie später ein Möbel ergänzen wollen. Das neue Stück ist dann heller und braucht ein paar Jahre, bis es passt.
Nussbaum
Dunkel, edel, unverwechselbar gezeichnet. Nussbaum macht aus einem Sideboard ein Möbel, über das Gäste reden. Er ist etwas weicher als Eiche, deshalb setzen wir ihn seltener auf stark belasteten Flächen ein.
Anders als die meisten Hölzer wird Nussbaum mit den Jahren nicht dunkler, sondern etwas heller und ruhiger. Direkte Sonne beschleunigt das. Bei einer Küche in Nuss rechnen Sie mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber Eiche.
Esche
Fast so hart wie Eiche, aber heller und lebhafter gezeichnet. Gut für kleine oder dunkle Räume, weil sie Licht zurückgibt. Lässt sich weiß ölen, ohne dass die Struktur verschwindet.
Esche ist unser Preis-Leistungs-Tipp. Wer eine helle Küche will und beim Budget rechnen muss, kommt mit geölter Esche sehr weit. Der lebhafte Wuchs gefällt nicht jedem, deshalb geben wir vorher ein Musterbrett mit nach Hause.
Ahorn
Sehr helle, fast gleichmäßige Fläche ohne starke Maserung. Richtig, wenn das Möbel zurücktreten soll und der Raum wirken darf. Wir bauen daraus gern Ankleiden und Innenauszüge.
Über Ahorn sollten Sie eines wissen. Er reagiert auf Sonnenlicht und wird gelblich. Wo ein Bild an der Wand hängt oder eine Vase steht, bleibt nach zwei Jahren ein hellerer Fleck. In einem Zimmer mit großer Südfront raten wir eher zu Esche.
Was wir sonst noch verarbeiten
Nicht jedes Möbel braucht ein Edelholz. Manchmal ist das einfachere Holz das richtige, weil es zum Haus passt oder weil es draußen steht.
Lärche
Von Natur aus widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit, deshalb unser Holz für Haustüren, Fensterläden und Balkone. Ohne Anstrich vergraut sie silbrig, das ist gewollt und schadet nichts. Unsere Lärche kommt aus dem Tal.
Fichte und Zirbe
Weich, leicht, günstig. Fichte für Ladenbau, Dachausbau und alles, was nach Werkstatt aussehen darf. Zirbe für Schlafzimmer, wegen des Geruchs. Beide bekommen schnell Druckstellen. Das gehört dazu.
Kirsche und Birne
Warme, rötliche Töne, sehr fein in der Zeichnung. Kirsche dunkelt stark nach und wird in zehn Jahren fast rotbraun. Wir bekommen sie nur in kleinen Mengen, deshalb reicht sie meist für ein Einzelmöbel, nicht für eine ganze Küche.
Platten und Linoleum
Nicht alles muss massiv sein. Korpusse bauen wir häufig aus Multiplex oder furnierter Platte, das arbeitet weniger. Arbeitsflächen in Werkstätten und Cafés bekommen oft Linoleum, weil man täglich darüber wischen kann.
Geölt, gewachst oder lackiert
Die Oberfläche entscheidet fast so viel wie das Holz selbst. Sie bestimmt, wie sich das Möbel anfühlt und was passiert, wenn ein Glas Rotwein umfällt.
Geölt
Das Öl zieht ein, statt eine Schicht zu bilden. Das Holz bleibt offenporig und fühlt sich nach Holz an. Kratzer lassen sich stellenweise nachölen, ohne die ganze Fläche zu erneuern. Einmal im Jahr Pflegeöl, dann hält es Jahrzehnte.
Gewachst
Wachs auf Ölbasis gibt zusätzlichen Schutz gegen Wasser und Fett. Wir nehmen es gern für Küchenarbeitsplatten und Esstische. Die Fläche wirkt etwas seidiger. Nachpflege alle sechs bis zwölf Monate, das dauert eine halbe Stunde.
Lackiert
Der Lack legt sich als Film über das Holz. Am unempfindlichsten gegen Flecken, dafür lässt sich eine Beschädigung nicht punktuell reparieren, sondern nur ganzflächig. Sinnvoll für Kinderzimmer, Praxen und Ladenbau.
Weiß geölt und gebeizt
Weißöl hält helle Hölzer hell und bremst das Vergilben. Beize färbt tiefer ein, etwa wenn Eiche zu einer alten Diele passen soll. Beides zeigen wir Ihnen vorher am Musterbrett aus Ihrem Holz, nicht an einem Katalogblatt.
Was das Material im Preis ausmacht
Grobe Orientierung am Beispiel einer mittelgroßen Küche mit acht Fronten und einer Arbeitsplatte. Der Rest sind Beschläge, Zuschnitt, Montage und unsere Arbeitszeit.
Diese Spannen sind Erfahrungswerte, keine Zusage. Der Holzpreis schwankt, und bei Nussbaum hängt viel davon ab, ob wir zusammenpassende Bretter aus einem Stamm bekommen. Im Angebot steht immer ein Festpreis, kein Ungefähr.
Ein Spartipp, den wir jedem sagen. Nehmen Sie das teure Holz dort, wo man es sieht, und ein günstiges dort, wo man es nicht sieht. Nussbaumfronten mit Korpussen aus furnierter Platte kosten deutlich weniger als eine durchgehend massive Küche und sehen im Raum identisch aus.
Wie Sie lange etwas davon haben
Täglich
Nebelfeucht wischen, nicht nass. Wasser, das stehen bleibt, hinterlässt auf geölten Flächen einen Rand.
Bei einem Fleck
Sofort aufnehmen. Rotwein und Öl ziehen in offenporige Flächen ein. Am nächsten Tag wird es Arbeit.
Einmal im Jahr
Pflegeöl dünn auftragen, zwanzig Minuten warten, mit einem Tuch abnehmen. Wir geben Ihnen die erste Flasche mit.
Nach Jahren
Eine matt gewordene Arbeitsplatte schleifen wir an und ölen sie neu. Meist an einem Vormittag bei Ihnen erledigt.
Was Kunden uns dazu fragen
Woher kommt Ihr Holz?
Lärche, Fichte und einen Teil der Eiche kaufen wir bei Sägewerken in der Region, überwiegend aus dem Tal und der Region. Nussbaum und Ahorn kommen über einen Händler in Oberbayern, meist aus europäischem Anbau. Tropenhölzer verarbeiten wir nicht.
Kann ich mein Holz selbst aussuchen?
Ja, und wir empfehlen es ausdrücklich. Sie kommen ins Lager, wir legen die Bretter aus, und Sie sagen, welche Zeichnung an die Front kommt und welche nach innen darf. Das kostet eine Stunde und macht einen sichtbaren Unterschied.
Können Sie Holz aus meinem eigenen Garten verarbeiten?
Manchmal. Der Stamm muss gerade gewachsen und sauber gelagert sein, und trocknen dauert je nach Stärke ein bis zwei Jahre pro Zentimeter. Schicken Sie uns Fotos, dann sagen wir ehrlich, ob etwas Brauchbares dabei ist. Häufiger als uns lieb ist, raten wir ab.
Was ist der Unterschied zwischen Massivholz und Furnier?
Massivholz ist durchgehend das gleiche Holz. Furnier ist eine dünne Schicht echtes Holz auf einer stabilen Trägerplatte. Furnier ist nicht das billige Ersatzprodukt, für das es viele halten. Große Flächen arbeiten weniger und bleiben eben. Wir kombinieren beides gezielt.
Bekomme ich zu jedem Holz ein Muster?
Ja. Wir geben Ihnen ein Brett aus dem tatsächlichen Holz mit der tatsächlichen Oberfläche mit nach Hause. Stellen Sie es einige Tage in den Raum und sehen Sie es bei Tageslicht und bei Lampenlicht an. Farben wirken zuhause anders als in der Werkstatt.
Welches Holz halten Sie in einer Familie mit kleinen Kindern für richtig?
Eiche oder Esche, geölt. Beide sind hart genug, und wenn doch etwas passiert, lässt sich die Stelle nachölen. Von hochglänzenden Lackfronten raten wir da eher ab, weil man jeden Fingerabdruck sieht und jede Schramme sichtbar bleibt.
Sehen Sie sich das Holz an
Freitags von 13 bis 17 Uhr können Sie ohne Termin in die Werkstatt kommen. Oder Sie schicken uns eine Anfrage, dann legen wir passende Bretter für Ihren Termin heraus.